Sandra Locher Freie Rednerin (IHK) · Trauerbegleiterin (DEKRA)

Aus Sandras Blog

Freie Trauung

Eure freie Trauung muss nicht perfekt sein. Sie muss zu euch passen.

Da sitze ich mit einem Brautpaar beim Traugespräch.

Wir reden über das Kennenlernen, den ersten Kuss, den Antrag, über gemeinsame Erlebnisse und über all die kleinen Dinge, die zwei Menschen miteinander verbinden.

Und irgendwann kommt ziemlich häufig diese Frage:

„Sandra, wie macht man das eigentlich normalerweise?“

Meine Antwort?

Ist mir ziemlich egal.

Nicht falsch verstehen.

Natürlich gibt es einen gewissen Rahmen für eine freie Trauung. Und natürlich begleite ich meine Paare und gebe ihnen Ideen, wenn sie nicht wissen, wie sie etwas gestalten möchten.

Aber dieses eine:

„Das macht man eben so.“

… interessiert mich tatsächlich herzlich wenig.

Denn ich möchte keine Trauung gestalten, die man genauso am nächsten Samstag mit dem nächsten Brautpaar wiederholen könnte.

Ich möchte eure.

Ich möchte wissen, wer ihr wirklich seid

Bei unserem Gespräch interessiert mich deshalb nicht nur:

Wann habt ihr euch kennengelernt?

Wann seid ihr zusammengezogen?

Wann kam der Antrag?

Das sind Daten.

Aber eine Liebesgeschichte besteht nicht aus Daten.

Mich interessieren die Dinge dazwischen.

Was habt ihr beim ersten Treffen voneinander gedacht?

Wer hat sich zuerst verliebt?

Wer brauchte vielleicht ein bisschen länger?

Wer entschuldigt sich nach einem Streit zuerst?

Wer kann absolut nicht zugeben, dass der andere recht hatte?

Wer sucht ständig seinen Schlüssel?

Wer braucht morgens erst einen Kaffee, bevor überhaupt ein vernünftiges Gespräch möglich ist?

Und gibt es diesen einen Satz, bei dem eure Freunde sofort wissen:

Typisch die beiden!

Genau da wird es für mich spannend.

Denn ich möchte nicht einfach erzählen, wann ihr euch kennengelernt habt.

Ich möchte erzählen, warum ausgerechnet ihr zwei zusammengehört.

Eure Gäste sollen euch wiedererkennen

Eine meiner schönsten Reaktionen während einer freien Trauung findet manchmal ganz still statt.

Ich erzähle etwas über mein Brautpaar und irgendwo in den Reihen schauen sich zwei Freunde an und grinsen.

Oder Mama schüttelt lachend den Kopf.

Der Trauzeuge weiß schon nach den ersten drei Worten, welche Geschichte jetzt kommt.

Und das Brautpaar schaut mich an mit diesem Blick:

„Sandra! Das wolltest du jetzt nicht wirklich erzählen!“

Doch.

Vielleicht wollte ich.

Natürlich nur das, was ich auch erzählen darf.

Aber genau diese Momente liebe ich.

Denn dann weiß ich:

Jetzt sind wir bei euch.

Nicht bei irgendeiner schönen Hochzeitsrede.

Sondern mitten in eurer Geschichte.

Bitte kein Ritual, nur weil man das eben macht

Sandritual.

Kerze.

Bänder.

Wunschsteine.

Zeitkapsel.

Ringritual.

Es gibt unglaublich viele wunderschöne Möglichkeiten, eine freie Trauung zu gestalten.

Und ich mag Rituale sehr.

Wenn sie zu euch passen.

Wenn ihr aber bei einem Ritual dasitzt und euch eigentlich nur denkt:

Warum machen wir das gerade?

Dann lassen wir es.

Ganz einfach.

Eine symbolische Handlung wird nicht dadurch besonders, dass sie auf Pinterest wunderschön aussieht.

Sie wird besonders, wenn sie für euch eine Bedeutung hat.

Vielleicht beziehen wir eure Trauzeugen ein.

Vielleicht eure Eltern.

Vielleicht eure Kinder.

Vielleicht euren Hund.

Vielleicht entwickeln wir gemeinsam etwas, das ich vorher genauso noch nie gemacht habe.

Und vielleicht machen wir einfach gar kein Ritual.

Auch völlig in Ordnung.

Eine freie Trauung braucht keine Show.

Sie braucht euch.

Und ein Eheversprechen?

Auch so eine Sache.

Für manche Paare ist es einer der emotionalsten Momente ihrer gesamten Trauung.

Sie möchten sich anschauen und ganz persönlich sagen, was der andere für sie bedeutet.

Wunderschön.

Und dann gibt es Menschen, denen wird schon beim Gedanken daran ganz anders.

Vor allen Gästen stehen?

Mikrofon in der Hand?

Gefühle aussprechen?

Auf gar keinen Fall.

Auch das ist vollkommen okay.

Ich werde niemanden zu einem Eheversprechen überreden, nur weil es auf einer freien Trauung vermeintlich dazugehört.

Wir finden euren Weg.

Vielleicht nur einen Satz.

Vielleicht ein gemeinsames Versprechen.

Vielleicht sage ich etwas für euch.

Und vielleicht braucht es überhaupt keine zusätzlichen Worte.

Denn manchmal reicht auch dieser eine Blick zwischen zwei Menschen.

Und dann kommt sowieso das Leben dazwischen

Ihr könnt euren Hochzeitstag bis ins kleinste Detail planen.

Und das ist auch gut so.

Aber ich verrate euch etwas:

Das Leben hat euren Ablaufplan nicht gelesen.

Vielleicht regnet es.

Vielleicht fällt etwas um.

Vielleicht will der Ring einfach nicht auf den Finger.

Vielleicht stolpert jemand über seine eigenen Füße.

Vielleicht beginnt ein Kind genau im emotionalsten Moment laut zu erzählen.

Oder euer Hund entscheidet, dass eigentlich er der Star dieser Veranstaltung ist.

Und vielleicht versprecht ihr euch ausgerechnet bei den Worten, die ihr vorher zwanzigmal geübt habt.

Was mache ich dann?

Weitermachen.

Mit euch lachen.

Kurz warten.

Improvisieren.

Denn ich finde, genau diese ungeplanten Momente machen eine Zeremonie manchmal erst richtig schön.

Ihr dürft lachen. Und ihr dürft weinen.

Eine freie Trauung muss für mich nicht 45 Minuten lang feierlich und ernst sein.

Ganz im Gegenteil.

Ich möchte mit euch lachen.

Ich möchte, dass eure Gäste lachen.

Ich möchte euch vielleicht auch ein kleines bisschen ärgern.

Und dann darf plötzlich dieser eine Moment kommen, in dem es ganz still wird.

Vielleicht, weil ich etwas erzähle, das euch berührt.

Vielleicht, weil ihr euch anschaut.

Vielleicht, weil Papa plötzlich eine Träne über die Wange läuft, obwohl er vorher selbstverständlich behauptet hat:

„Ich heule ganz sicher nicht.“

Jaja.

Ich habe schon einige von dieser Sorte erlebt.

Und genau diese Mischung liebe ich.

Lachen.

Gänsehaut.

Freudentränen.

Erinnerungen.

Und mittendrin zwei Menschen, wegen denen wir überhaupt alle da sind.

Ich möchte keine perfekte Hochzeit

Natürlich wünsche ich euch wunderschönes Wetter.

Ich wünsche euch, dass alles klappt.

Dass eure Dienstleister pünktlich sind.

Dass die Deko steht.

Dass das Kleid sitzt.

Und dass niemand die Ringe zu Hause liegen lässt.

Aber ich wünsche euch noch etwas viel mehr:

Dass ihr euren Tag erlebt.

Nicht nur organisiert.

Nicht nur darauf achtet, ob alles funktioniert.

Sondern zwischendurch stehen bleibt und denkt:

Wow. Das sind gerade wirklich wir. Wir heiraten.

Schaut euch eure Gäste an.

Da sitzen eure Menschen.

Menschen, die euch vielleicht schon euer halbes Leben kennen.

Menschen, die eure Geschichte begleitet haben.

Und Menschen, die gekommen sind, weil ihr ihnen wichtig seid.

Das ist doch eigentlich ziemlich großartig.

Und wenn am Ende nicht alles perfekt war?

Vielleicht regnet es tatsächlich.

Vielleicht läuft irgendeine Kleinigkeit anders als geplant.

Vielleicht versprecht ihr euch.

Vielleicht kullert eine Träne genau dann, wenn ihr eigentlich lachen wolltet.

Vielleicht passiert während eurer Zeremonie etwas, das wir niemals hätten planen können.

Dann darf das so sein.

Denn in zehn Jahren werdet ihr wahrscheinlich nicht mehr wissen, ob jede Blume genau richtig stand.

Ihr werdet nicht mehr wissen, ob irgendein Programmpunkt fünf Minuten später begonnen hat.

Aber vielleicht erinnert ihr euch noch ganz genau daran, wie ihr euch angeschaut habt.

Wie eure Menschen mit euch gelacht haben.

Wie plötzlich alle ganz still wurden.

Wie sich eure Hände angefühlt haben.

Und wie es war, als ihr da vorne standet und wusstet:

Das ist unser Moment.

Und vielleicht schaut ihr irgendwann zurück und denkt:

Es war nicht alles perfekt.

Es war viel besser.

Es war unseres.

Eure Geschichte. Eure Trauung.

Ihr plant eure freie Trauung?

Dann lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, ob es zwischen uns passt. Ganz unverbindlich und ohne Trauung von der Stange.

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