Sandra Locher Freie Rednerin (IHK) · Trauerbegleiterin (DEKRA)

Aus Sandras Blog

Trauerbegleitung

Trauerstammtisch – muss ich da über meine Trauer sprechen?

Vielleicht hast du das Wort Trauerstammtisch schon einmal gehört und sofort gedacht:

„Das ist nichts für mich.“

Mit fremden Menschen zusammensitzen und über meine Trauer sprechen?

Erzählen, wen ich verloren habe?

Vielleicht vor anderen weinen?

Nein, danke.

Wenn du gerade genau das denkst, möchte ich dir etwas sagen:

Bei einem Trauerstammtisch musst du erst einmal gar nichts.

Was ist ein Trauerstammtisch überhaupt?

Ein Trauerstammtisch ist ein Ort für Menschen, die jemanden vermissen.

Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten und ganz unterschiedlichen Formen von Trauer.

Manche Verluste sind erst wenige Wochen her. Andere Monate oder Jahre.

Und trotzdem gibt es etwas, das diese Menschen miteinander verbindet:

Da fehlt jemand.

Genau dafür darf es einen Platz geben.

Muss ich beim Trauerstammtisch erzählen, wen ich verloren habe?

Nein.

Du darfst erzählen.

Du darfst aber genauso gut einfach zuhören.

Vielleicht möchtest du beim ersten Mal erst einmal schauen, wer da sitzt und wie sich der Abend anfühlt.

Vielleicht sagst du nur deinen Namen.

Und vielleicht merkst du irgendwann ganz von selbst, dass du etwas erzählen möchtest.

Es gibt keinen Zwang, über etwas zu sprechen, über das du gerade nicht sprechen möchtest.

Und was ist, wenn ich plötzlich weinen muss?

Dann darfst du weinen.

Ohne dich dafür entschuldigen zu müssen.

Aber du darfst genauso lachen.

Denn Trauer besteht nicht ausschließlich aus Tränen.

Manchmal erzählen Menschen von einer Erinnerung und plötzlich lachen alle am Tisch.

Und kurz danach wird es vielleicht wieder still.

Beides darf nebeneinander existieren.

Ist ein Trauerstammtisch eine Selbsthilfegruppe?

Mein Trauerstammtisch ist bewusst ein offener und ungezwungener Treffpunkt.

Es gibt keinen Stundenplan, den wir abarbeiten.

Niemand muss berichten, welche „Fortschritte“ er mit seiner Trauer gemacht hat.

Und vor allem gibt es kein Ziel, an dessen Ende jemand seine Trauer endlich abgeschlossen haben soll.

Denn Trauer ist keine Aufgabe, die man irgendwann erledigt hat.

Darf ich kommen, wenn mein Verlust schon lange zurückliegt?

Natürlich.

Trauer hat kein Ablaufdatum.

Es gibt keinen Zeitpunkt, ab dem man einen Menschen nicht mehr vermissen darf.

Manchmal verändert sich Trauer mit den Jahren.

Aber ein Geburtstag, ein Lied, ein bestimmter Geruch oder ein ganz gewöhnlicher Sonntag können Erinnerungen plötzlich wieder ganz nah werden lassen.

Ob dein Verlust Wochen, Monate oder Jahre zurückliegt, entscheidet deshalb nicht darüber, ob du kommen darfst.

Was passiert bei einem Trauerstammtisch?

Wir sitzen zusammen.

Wir reden.

Wir hören zu.

Manchmal geht es um den Menschen, der fehlt.

Manchmal darum, wie sich das eigene Leben seit seinem Tod verändert hat.

Und manchmal reden wir zwischendurch über etwas völlig anderes.

Denn auch das gehört zum Leben mit Trauer.

Es geht nicht darum, die richtigen Worte zu finden.

Es geht darum, einen Ort zu haben, an dem auch das Vermissen sein darf.

Warum kann der Austausch mit anderen Trauernden guttun?

Nach einem Verlust verändert sich manchmal auch das eigene Umfeld.

Am Anfang fragen viele Menschen, wie es einem geht.

Doch irgendwann wird es stiller.

Das Leben der anderen geht weiter – während sich das eigene vielleicht noch lange völlig anders anfühlt.

Dann kann es guttun, Menschen zu begegnen, denen man nicht erst erklären muss, warum ein bestimmter Tag schwierig ist.

Menschen, die nicht sagen:

„Du musst langsam wieder nach vorne schauen.“

Sondern die verstehen, dass nach vorne schauen und jemanden vermissen gleichzeitig möglich sein können.

Trauerstammtisch „Stille und Stärke“ im Zollernalbkreis

Mit meinem Trauerstammtisch „Stille und Stärke“ möchte ich im Zollernalbkreis genau einen solchen Ort schaffen.

Einen Ort für Begegnung.

Für Erinnerungen.

Für Gespräche und für Stille.

Für Tränen und genauso für ein Lachen.

Und für Menschen, die vielleicht einfach einmal mit anderen an einem Tisch sitzen möchten, bei denen sie nicht erklären müssen, warum jemand noch immer fehlt.

Du musst nichts mitbringen. Keine Geschichte vorbereiten. Und du musst auch nicht wissen, was du sagen möchtest.

Du darfst einfach kommen.

Trauer braucht ihren eigenen Weg.

Ihr wünscht euch Begleitung in eurer Trauer?

Dann meldet euch gerne bei mir. Wir schauen gemeinsam, was euch im Moment guttun und entlasten kann.

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