Aus Sandras Blog
Ich passe nicht mehr überall hin – und das ist okay

Warum mich mein Leben als freie Rednerin verändert hat.
Manchmal merke ich es mitten in einem Gespräch.
Ich sitze da, höre zu – und denke:
Sandra, du bist irgendwie nicht mehr dieselbe.
Nicht besser.
Nicht klüger.
Und ganz sicher nicht über den Dingen stehend.
Einfach anders.
Mein Leben als freie Rednerin hat mich verändert.
Mehr, als ich erwartet hätte.
Denn ich durfte in den vergangenen Jahren in unglaublich glückliche Augen schauen.
In die Augen zweier Menschen, kurz bevor sie Ja zueinander sagen.
In die Augen von Eltern, die ihr kleines Wunder im Arm halten.
Aber ich habe eben auch in andere Augen geschaut.
In die Augen von Menschen, die gerade einen der wichtigsten Menschen ihres Lebens verloren haben.
Ich habe tiefe Traurigkeit gesehen.
Diese Traurigkeit, bei der man manchmal gar nichts sagen kann, weil jedes Wort zu klein wäre.
Und wenn man immer wieder erlebt, wie sich ein Leben innerhalb eines einzigen Augenblicks verändern kann, dann verschiebt sich etwas.
Zumindest war es bei mir so.
Manche Dinge erreichen mich einfach nicht mehr
Natürlich rege ich mich noch auf.
Ich bin schließlich nicht plötzlich erleuchtet.
Es gibt Tage, an denen mich Kleinigkeiten nerven.
Menschen nerven.
Situationen nerven.
Und wahrscheinlich nerve auch ich gelegentlich andere.
Aber es gibt immer mehr Dinge, bei denen ich merke:
Ich will das nicht mehr.
Endlose Diskussionen darüber, wer recht hat.
Dieses ständige Vergleichen.
Wer hat mehr?
Wer kann mehr?
Wer ist wichtiger?
Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit?
Manchmal beobachte ich Situationen, die mich tatsächlich ein bisschen an einen Kindergarten erinnern, und denke:
Wenn das gerade unser größtes Problem ist, dann geht es uns eigentlich verdammt gut.
Nicht böse.
Und schon gar nicht von oben herab.
Es hat für mich einfach nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher.
Denn wenige Tage vorher saß mir vielleicht ein Mensch gegenüber, der alles dafür geben würde, noch einmal eine völlig belanglose Diskussion mit seinem Partner führen zu können.
Wenn man solche Gespräche führt, verändert sich der Maßstab.
Ich habe in zu viele traurige Augen geschaut
Ich habe Menschen erlebt, deren Welt gerade stehen geblieben ist, während draußen alles ganz normal weiterlief.
Menschen, die morgens aufwachen und für einen winzigen Moment vergessen, dass jemand nicht mehr da ist.
Bis die Erinnerung wiederkommt.
Ich habe gesehen, wie tief ein Mensch einen anderen vermissen kann.
Und ich habe gehört, worüber Menschen sprechen, wenn plötzlich klar wird, was wirklich zählt.
Da geht es erstaunlich selten darum, wer irgendwann einmal eine Diskussion gewonnen hat.
Niemand erzählt mir:
„Zum Glück hatte er immer recht.“
Sie erzählen mir:
„Er war immer für mich da.“
„Mit ihr konnte ich über alles reden.“
„Sein Lachen fehlt mir.“
„Ich würde so gerne noch einmal mit ihr am Küchentisch sitzen.“
Solche Sätze bleiben bei mir hängen.
Natürlich tun sie das.
Vielleicht bin ich empfindlicher geworden – und gleichzeitig gelassener
Ich bin empfindlicher geworden für das, was Menschen miteinander machen.
Wenn bewusst verletzt wird.
Wenn hinter dem Rücken geredet wird.
Wenn Menschen ausgeschlossen werden.
Wenn jemand einen anderen kleinmachen muss, um selbst ein bisschen größer zu wirken.
Das macht mich manchmal wirklich fassungslos.
Nicht, weil ich glaube, dass wir alle immer nett zueinander sein müssen.
Wir sind Menschen.
Wir streiten.
Wir enttäuschen uns.
Wir machen Fehler.
Ich auch.
Aber ich verstehe immer weniger, warum wir unsere begrenzte Zeit dafür verwenden, andere Menschen absichtlich schlecht fühlen zu lassen.
Gleichzeitig habe ich gelernt, mich nicht mehr in alles hineinziehen zu lassen.
Nicht jeder Konflikt braucht meine Energie.
Nicht jede Meinung braucht meine Antwort.
Nicht jedes Missverständnis muss zu einem Drama werden.
Manchmal kann ich einfach denken:
Das gehört nicht zu mir.
Und weitergehen.
Ich laufe nicht mehr jedem Menschen hinterher
Auch das hat sich verändert.
Früher hätte ich vielleicht länger versucht, eine Freundschaft oder einen Kontakt festzuhalten.
Hätte mich gefragt:
Was habe ich falsch gemacht?
Soll ich mich noch einmal melden?
Soll ich mich erklären?
Soll ich noch einmal auf diesen Menschen zugehen?
Heute kann ich besser akzeptieren, dass nicht jeder Mensch für immer bleibt.
Und dass nicht jede Verbindung gerettet werden muss.
Das heißt nicht, dass ich Menschen nach einem Fehler aus meinem Leben streiche.
Ganz im Gegenteil.
Ich glaube an Gespräche.
An Entschuldigungen.
An zweite Chancen.
Und daran, dass wir einander manchmal auch aushalten müssen.
Aber Beziehung – egal ob Freundschaft, Partnerschaft oder irgendeine andere Verbindung – funktioniert für mich nicht dauerhaft nur in eine Richtung.
Wenn ich immer wieder diejenige bin, die auf jemanden zugeht, versucht, erklärt und festhält, darf irgendwann auch die Frage kommen:
Möchte dieser Mensch überhaupt noch neben mir gehen?
Und wenn die Antwort Nein ist, muss ich daraus keinen Kampf machen.
Ich darf traurig darüber sein.
Und trotzdem loslassen.
Nicht aus Stolz.
Nicht aus Trotz.
Und schon gar nicht, weil der andere Mensch weniger wert wäre.
Sondern weil Nähe von beiden Seiten kommen darf.
Diese Erkenntnis hat mir unglaublich viel Ruhe gegeben.
Vielleicht passe ich einfach nicht mehr
Menschen verändern sich.
Das Leben verändert uns.
Und manchmal entwickeln sich zwei Menschen in unterschiedliche Richtungen.
Das macht den anderen nicht schlechter.
Und mich nicht besser.
Vielleicht passen wir einfach nicht mehr so gut zusammen wie früher.
Das darf wehtun.
Aber ich glaube inzwischen, dass es noch viel mehr Kraft kostet, Beziehungen festzuhalten, in denen man sich ständig erklären oder verbiegen muss.
Ich brauche keine hundert Menschen um mich herum.
Ich brauche Menschen, bei denen ich nicht überlegen muss, welche Version von mir heute gerade gut ankommt.
Ich mag Menschen mit Ecken.
Mit Macken.
Menschen, die auch einmal sagen:
„Mir geht es gerade beschissen.“
Und genauso Menschen, die aus vollem Herzen sagen können:
„Mir geht es gerade richtig gut!“
Ich möchte lachen können.
Richtig lachen.
Ich möchte über Dinge sprechen können, die etwas bedeuten.
Und ich möchte genauso einen komplett bescheuerten Abend verbringen können, an dem überhaupt nichts Tiefgründiges passiert.
Denn:
Echt muss nicht immer schwer sein.
Echt bedeutet für mich:
Ich weiß, woran ich bei dir bin.
Und du bei mir.
Mein Beruf hat meinen Blick auf Menschen verändert
Ich höre Lebensgeschichten.
Das ist ein unglaubliches Privileg.
Menschen erzählen mir von Liebe.
Von Fehlern.
Von zweiten Chancen.
Von Streit und Versöhnung.
Von verpassten Möglichkeiten.
Von unglaublichem Glück.
Und von Verlust.
Und dabei lerne ich immer wieder:
Kein Mensch besteht nur aus der Seite, die wir gerade von ihm sehen.
Wir wissen oft überhaupt nicht, was jemand gerade mit sich herumträgt.
Vielleicht macht mich genau das heute auch vorsichtiger mit schnellen Urteilen.
Das bedeutet nicht, dass ich jedes Verhalten akzeptieren muss.
Aber ich muss auch nicht aus jedem Konflikt einen Krieg machen.
Ich darf Grenzen haben, ohne einen anderen Menschen schlechtzumachen.
Und ich darf gehen, ohne im Nachhinein beweisen zu müssen, dass ich recht hatte.
„Sandra, du hast dich verändert.“
Ja.
Habe ich.
Und inzwischen kann ich das sagen, ohne mich dafür rechtfertigen zu wollen.
Ich glaube sogar, es wäre traurig, wenn all diese Begegnungen überhaupt nichts mit mir gemacht hätten.
Wenn ich in so viele glückliche und traurige Augen schauen dürfte und danach noch exakt derselbe Mensch wäre.
Natürlich verändert mich das.
Ich weiß heute deutlicher, welche Menschen ich um mich haben möchte.
Welche Gespräche ich führen möchte.
Womit ich meine Zeit verbringen möchte.
Und vor allem:
Womit nicht mehr.
Vielleicht passe ich deshalb heute zu manchen Menschen nicht mehr, zu denen ich früher einmal gepasst habe.
Und vielleicht passen andere heute nicht mehr zu mir.
Das ist nicht immer schön.
Aber vielleicht gehört auch das zum Leben.
Ich will ganz vieles nicht mehr
Ich will nicht mehr überall dazugehören.
Ich will nicht mehr jede Diskussion gewinnen.
Ich will niemandem hinterherlaufen, der längst in eine andere Richtung gehen möchte.
Ich will Menschen nicht beeindrucken müssen.
Ich will meine Energie nicht in Dinge stecken, die morgen schon völlig bedeutungslos sind.
Und ich möchte meine Zeit nicht damit verbringen, Menschen davon zu überzeugen, mich mögen zu müssen.
Was ich stattdessen möchte?
Menschen.
Nicht Fassaden.
Menschen, mit denen ich lachen kann.
Menschen, mit denen ich schweigen kann.
Menschen, die sich ehrlich für andere freuen können.
Menschen, die bleiben, wenn es unbequem wird.
Menschen, bei denen keiner kleiner werden muss, damit der andere größer sein kann.
Vielleicht ist mein Leben dadurch tatsächlich ein bisschen kleiner geworden.
Weniger Menschen.
Weniger Drama.
Weniger Dinge, die mich interessieren.
Aber wisst ihr was?
Es fühlt sich nicht kleiner an.
Es fühlt sich echter an.
Und vielleicht ist das eine der größten Veränderungen, die mein Leben als freie Rednerin mir geschenkt hat.
Ich habe bei Hochzeiten erlebt, wie Menschen sich füreinander entscheiden.
Ich habe bei Kinderwillkommensfesten gesehen, wie ein neues Leben mit offenen Armen empfangen wird.
Und ich habe bei Lebensfeiern in die Augen von Menschen geschaut, die alles dafür geben würden, noch einen einzigen Tag mit ihrem Menschen zu bekommen.
Dazwischen liegt unser Leben.
Unsere begrenzte, kostbare Zeit.
Und je länger ich diesen Beruf mache, desto öfter frage ich mich:
Mit wem möchte ich diese Zeit verbringen?
Und womit?
Meine Antworten darauf sind heute andere als früher.
Vielleicht passe ich deshalb nicht mehr überall hin.
Und vielleicht ist das gar nichts Schlimmes.
Ich möchte niemanden zurücklassen.
Ich möchte niemandem beweisen, dass mein Weg der bessere ist.
Ich möchte einfach bewusster entscheiden, wem und was ich meine Zeit schenke.
Denn vielleicht ist genau das etwas, das mir all diese Menschen und ihre Geschichten beigebracht haben:
Wir haben nicht unendlich viel Zeit miteinander.
Also möchte ich meine nicht damit verbringen, überall hineinzupassen.
Sondern dort wirklich da sein, wo es sich echt anfühlt. ❤️
Eure Sandra
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