Sandra Locher Freie Rednerin (IHK) · Trauerbegleiterin (DEKRA)

Aus Sandras Blog

Trauerbegleitung

Als mein Bruder starb, starb auch ein Teil von mir.

Als mein Bruder starb, starb auch ein Teil von mir. 🤍

Ich erzähle euch heute etwas sehr Persönliches.

Nicht als Trauerbegleiterin.

Sondern als Schwester.

Es gibt einen Tag in meinem Leben, den ich niemals vergessen werde.

Ich war mit unserem Hund draußen.

Und die Krähen schrien.

Laut. Ungewöhnlich laut.

Jahre zuvor hatte eine alte Frau einmal zu mir gesagt:

„Wenn die Krähen so schreien, muss ein Mensch gehen.“

Ob man daran glaubt oder nicht – dieser Satz war plötzlich wieder da.

Und mein erster Gedanke war:

Bitte nicht Papa.

Mein Vater lag zu dieser Zeit bereits im Sterben.

Also dachte ich natürlich an ihn.

Ich hatte Angst, dass er gegangen war.

Aber mein Vater war es nicht.

Als ich nach Hause kam, klingelte das Telefon.

Und dann kam dieser Anruf.

Nicht mein Vater war gegangen.

Mein Bruder hatte sich das Leben genommen.

Ich weiß noch heute genau, was danach passierte.

Ich sackte zusammen.

Ich schrie.

Ich schlug mir immer wieder auf den Oberschenkel und brachte eigentlich nur noch drei Worte heraus:

„Nein. Nein. Nein.“

Es konnte nicht stimmen.

Es durfte nicht stimmen.

Das musste ein böser Traum sein.

Mein Bruder sollte doch nicht gehen.

Und dann kamen die Fragen.

Warum?

Warum hast du mich allein gelassen?

Warum hast du nicht mit mir geredet?

Warum konnte ich dir nicht helfen?

Ich war wütend auf ihn.

Und gleichzeitig liebte ich ihn so sehr.

Dann kamen die Schuldgefühle.

Hätte ich etwas merken müssen?

Hätte ich etwas anders machen können?

Warum hast du mich nicht zu dir gelassen?

Diese Fragen können einen Menschen auffressen.

Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel geweint wie nach dem Suizid meines Bruders.

Nach außen funktionierte ich irgendwie.

Innerlich starb etwas mit.

Vier Tage später starb auch mein Vater.

Aber dass mein Bruder wirklich niemals wiederkommen würde, begriff ich erst nach und nach.

An seinem Grab.

Und danach im Alltag.

Als plötzlich seine täglichen WhatsApp-Nachrichten fehlten.

Kein Bruder mehr, den ich einfach fragen konnte.

Kein Mensch mehr, dem ich blind vertrauen konnte.

Mein Bruder war mein Held.

Er war der Mensch, von dem ich wusste:

Der ist da.

Und plötzlich war genau dieser Mensch nicht mehr da.

Sein Tod hat etwas Grundsätzliches in mir verändert.

Ich habe danach schwerer vertraut.

Aber ich habe auch eine Entscheidung getroffen:

Ich werde mein Leben nicht so leben, wie ich es eigentlich gar nicht leben möchte.

Ich habe mein Leben verändert.

Heute begleite ich selbst Menschen in ihren schlimmsten Zeiten.

Ich habe mich weitergebildet, gerade auch für schwierige Trauer und Trauer nach Suizid.

Ich weiß heute vieles, was ich damals nicht wusste.

Ich verstehe heute manches, was ich damals nicht verstehen konnte.

Aber eines hat sich durch all dieses Wissen nicht verändert:

Ich bin seine Schwester.

Und ich vermisse ihn.

Bis heute.

Denn wer außer ihm könnte mir jemals genau das geben, was er mir gegeben hat?

Wer könnte diesen Platz einnehmen?

Niemand.

Vielleicht muss das auch niemand.

Denn manche Menschen hinterlassen keinen Platz, den wir irgendwann neu besetzen.

Sie hinterlassen einen Platz, der für immer ihrer bleibt.

Und wenn ich meinem Bruder heute eine einzige Frage stellen dürfte, wäre es wahrscheinlich noch immer dieselbe:

Warum?

Warum konntest du nicht mit mir reden?

Warum konnte ich dir nicht helfen?

Und danach würde ich ihm sagen:

Du fehlst mir.

Als mein Bruder starb, starb ein Teil von mir mit.

Aber genauso wahr ist:

Ein Teil von ihm lebt seit diesem Tag in mir weiter. 🤍

Trauer braucht ihren eigenen Weg.

Ihr wünscht euch Begleitung in eurer Trauer?

Dann meldet euch gerne bei mir. Wir schauen gemeinsam, was euch im Moment guttun und entlasten kann.

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