Willkommen im Leben – warum ich Kinderwillkommensfeste so liebe
Es gibt diese kleinen Menschen, die kommen auf die Welt und schaffen etwas ziemlich Unglaubliches:
Sie stellen innerhalb kürzester Zeit ein komplettes Leben auf den Kopf.
Plötzlich bestimmt jemand den Tagesablauf, der noch nicht einmal sprechen kann.
Schlafen wird überbewertet.
Pünktlich irgendwo anzukommen wird zur organisatorischen Meisterleistung.
Und bevor man das Haus verlässt, braucht man gefühlt mehr Gepäck als früher für zwei Wochen Urlaub.
Aber dann liegt dieser kleine Mensch da.
Schaut einen an.
Greift mit seiner winzigen Hand nach einem Finger.
Und plötzlich weiß man:
Genau so soll es sein.
Und irgendwann kommt vielleicht der Gedanke:
Wir möchten dieses kleine Wunder feiern.
Nicht unbedingt mit einer Taufe.
Nicht, weil man das eben so macht.
Sondern einfach, weil da dieser kleine Mensch ist, den man am liebsten der ganzen Welt zeigen und sagen möchte:
Schaut mal – der gehört zu uns. ❤️
Und genau dann kommen wir zu einem meiner schönsten Bereiche als freie Rednerin:
Dem Kinderwillkommensfest.
Oder, wie ich meistens sage: KIWI.
Und nein – dabei stehen nicht grüne Früchte auf dem Tisch.
Obwohl … wenn sie zur Deko passen, hätte ich natürlich nichts dagegen.
Wie läuft so ein Kinderwillkommensfest eigentlich ab?
Das werde ich immer wieder gefragt.
Und meine Antwort lautet:
Das kommt darauf an.
Denn ich könnte euch natürlich einen fertigen Ablauf aus der Schublade ziehen.
Begrüßung.
Ein paar nette Worte.
Paten nach vorne.
Irgendein Ritual.
Musik.
Fertig.
Kann man machen.
Ist aber nicht meins.
Ich möchte zuerst wissen, wer ihr seid.
Wie hat dieses kleine Menschlein euer Leben verändert?
Wer von euch steht nachts auf?
Wer behauptet morgens, er hätte das Baby überhaupt nicht gehört?
Was bringt euer Kind schon heute mit?
Ist es ein kleiner Sonnenschein?
Ein Wirbelwind?
Ein Beobachter?
Oder vielleicht ein kleiner Chef, bei dem längst klar ist, wer bei euch zu Hause tatsächlich die Entscheidungen trifft?
Genau diese kleinen Geschichten machen für mich ein Kinderwillkommensfest aus.
Denn wir feiern an diesem Tag nicht irgendein Kind.
Wir feiern eures.
Und eigentlich feiern wir noch viel mehr
Denn wenn ein Kind geboren wird, kommt nicht einfach nur ein neuer Mensch dazu.
Es verändert sich eine ganze Familie.
Aus einem Paar werden vielleicht Mama und Papa.
Aus Eltern werden Großeltern.
Aus Geschwistern werden plötzlich große Brüder oder Schwestern.
Und irgendwo stehen Tanten, Onkel, Freunde und Herzensmenschen, die diesen kleinen Menschen anschauen und schon jetzt wissen:
Für dich würde ich ziemlich viel tun.
Genau diese Menschen dürfen bei einem Kinderwillkommensfest ihren Platz bekommen.
Denn für mich geht es nicht nur darum, ein Kind willkommen zu heißen.
Es geht auch darum, ihm zu zeigen:
Schau mal, wie viele Menschen hinter dir stehen.
Und dann gibt es natürlich die Paten
Paten finde ich bei einem Kinderwillkommensfest besonders schön.
Nicht, weil sie an diesem Tag einen offiziellen Titel bekommen.
Sondern wegen dem, was dahintersteht.
Da entscheidet sich ein Mensch ganz bewusst:
Ich möchte in deinem Leben eine besondere Rolle spielen.
Ich möchte da sein.
Vielleicht deine Hand halten, wenn du klein bist.
Dir später zuhören, wenn Mama und Papa gerade absolut keine Ahnung haben.
Mit dir lachen.
Dich trösten.
Dir vielleicht irgendwann auch einmal sagen, dass eine deiner Ideen wirklich ziemlich bescheuert ist.
Und trotzdem hinter dir stehen.
Was Paten während einer Zeremonie machen, kann deshalb ganz unterschiedlich sein.
Vielleicht sprechen sie ein persönliches Versprechen.
Vielleicht schreiben sie einen Brief für später.
Vielleicht geben sie einen Wunsch mit auf den Weg.
Oder wir entwickeln gemeinsam etwas, das genau zu ihnen und zu diesem Kind passt.
Es gibt dafür kein Drehbuch.
Zum Glück.
Einer meiner Lieblingsmomente
Besonders schön wird es für mich immer dann, wenn bei einer Zeremonie etwas entsteht, das bleibt.
Vielleicht Wünsche, die gesammelt werden.
Eine Erinnerungskiste, die irgendwann Jahre später wieder geöffnet wird.
Ein Baum, der mit diesem kleinen Menschen wächst.
Briefe für die Zukunft.
Oder etwas völlig anderes, auf das wir gemeinsam kommen.
Stellt euch einmal vor:
Ein Kind wird irgendwann 18.
Oder 20.
Vielleicht sitzt es dann mit Mama und Papa zusammen und öffnet eine Kiste.
Und darin liegen Worte von Menschen, die vor vielen Jahren bei seinem Kinderwillkommensfest dabei waren.
Menschen, die damals schon Wünsche für sein Leben aufgeschrieben haben.
Noch bevor irgendjemand wusste, wohin dieses Leben einmal führen würde.
Allein bei diesem Gedanken bekomme ich Gänsehaut.
Aber Sandra – was, wenn mein Kind während deiner Rede schreit?
Dann haben wir ein schreiendes Kind.
Ganz einfach.
Ich verspreche euch:
Mich bringt das nicht aus dem Konzept.
Wenn das Baby Hunger bekommt, dann bekommt es etwas zu essen.
Wenn eine Windel voll ist, wird sie gewechselt.
Wenn der große Bruder nach fünf Minuten entscheidet, dass meine Rede wirklich deutlich weniger interessant ist als das Spielzeug in der Ecke – dann ist das eben so.
Und wenn ein Kind mitten in der Zeremonie nach vorne kommt?
Dann schauen wir, was passiert.
Ich finde nämlich:
Kinder müssen bei einem Kinderwillkommensfest nicht funktionieren.
Und Eltern übrigens auch nicht.
Es muss nicht alles perfekt sein.
Es darf lebendig sein.
Es darf chaotisch sein.
Es darf gelacht werden.
Und manchmal läuft etwas ganz anders als geplant.
Genau daraus entstehen oft die Momente, an die man sich später am liebsten erinnert.
Warum ich diese Zeremonien so gerne mache
Als ich meine Ausbildung zur freien Rednerin begonnen habe, wollte ich eigentlich Trauerrednerin werden.
Kinderwillkommensfeste?
Hatte ich überhaupt nicht auf meinem Plan.
Und heute bin ich unglaublich froh, dass meine Ausbildung alle drei Zeremonien umfasst hat.
Denn mein Beruf lässt mich dadurch an ganz unterschiedlichen Punkten des Lebens stehen.
Ich darf Menschen begleiten, wenn sie sich füreinander entscheiden.
Ich darf da sein, wenn ein geliebter Mensch gehen musste.
Und ich darf vor einer Familie stehen und einen kleinen Menschen begrüßen, dessen ganze Geschichte noch vor ihm liegt.
Das finde ich wunderschön.
Bei einer Lebensfeier schauen wir gemeinsam zurück.
Bei einer Trauung schauen zwei Menschen gemeinsam nach vorne.
Und bei einem Kinderwillkommensfest?
Da liegt manchmal ein kleiner Mensch vor mir, schaut mich mit großen Augen an und hat überhaupt keine Ahnung, was wir Erwachsenen da eigentlich veranstalten.
Und vor ihm liegt einfach:
Alles.
Sein erstes Wort.
Seine ersten Schritte.
Der erste Tag im Kindergarten.
Die erste große Freundschaft.
Der erste Liebeskummer.
Vielleicht irgendwann die erste große Liebe.
All die Umwege, Abenteuer, Fehler, verrückten Ideen und wunderschönen Momente, von denen heute noch niemand etwas weiß.
Und wir dürfen ganz am Anfang dieser Geschichte einen kleinen Punkt setzen.
Einen Tag, an dem Menschen zusammengekommen sind, nur um diesem Kind zu sagen:
Wie schön, dass du da bist.
Du wirst geliebt.
Du gehörst zu uns.
Und egal, wohin dein Weg dich einmal führt – da sind Menschen, die dich begleiten.
Vielleicht ist genau das für mich die schönste Erklärung dafür, was ein Kinderwillkommensfest eigentlich ist.
Nicht Taufe ohne Kirche.
Nicht irgendeine Zeremonie, weil man eben etwas feiern möchte.
Sondern:
Ein ganz persönliches Willkommen im Leben.
Und mal ehrlich:
Welcher Anlass könnte schöner sein?